Tiger Army auf Speedtour in der Essigfabrik, Köln

Tiger Army 22112016 Essigfabrik, Köln

Tiger Army 22112016 Essigfabrik, Köln | Rockabilly Rendezvous Kulturmagazin

Was war denn da los? Seit Monaten hatte ich mich auf das Konzert der Tiger Army in Köln gefreut. Doch meine Erwartungen wurden enttäuscht. Mit Rockabilly beziehungsweise Psychobilly hatte der Gig so gut wir gar nichts mehr zu tun. Die Vorband The Brains aus Kanada fingen auch schon gleich brüllig-speedig an. Eigentlich als Psychobilly Horror-Punk Band bezeichnet, hatte ich die Jungs ebenfalls anders in Erinnerung. Einzig und allein mit dem The Cure Cover Lovesong konnte ich leben. Tiger Army begannen dann um 21 Uhr in der gleichen Manier. Alle Songs wurden trashig im Speedmetalstil gespielt und die wenigen Lieblingssongs wie beispielsweise Pain hatten dadurch ebenfalls weniger Wiedererkennungswert.

Tiger Army 22112016 Essigfabrik, Köln

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Ich habe zahlreiche Stücke, auch gerade von der neuen CD, vermisst. Wo waren Happier Times oder I Am The Moth. Das ist zwar auch kein Psychobilly, aber das hätte man von Tiger Army erwartet.
Zwar wurde das Cover Twenty Flight Rock von Eddie Cochran gespielt und auch das neue, langsame Dark and Lonely Night der Band selbst. Doch Nicks Gesang ging neben dem dominanten Schlagzeug einfach unter.

Tiger Army 22112016 Essigfabrik, Köln

Tiger Army 22112016 Essigfabrik, Köln | Rockabilly Rendezvous Kulturmagazin

Das Stück Fuck The World war bezeichnend für die Spielweise, die sich an diesem Abend in der Essigfabrik, Köln herauskristallisierte. Tiger Army haben wirklich tolle Songs, wie Forever Fades Away, Hechizo de Amor, In the Orchard oder Where the Moss Slowly Grows. Doch was hier gespielt wurde war einfach nur schnell und laut.

Leider ist dieser Musikmischmasch heutzutage üblich und Schnelligkeit sowie Lautstärke sind bei einem Gig auch nicht immer alles. Es gab im Publikum welche, die waren begeistert, vielleicht lag das am Alkohol. Diese Zuschauer, viele sogenannte Skatertypen, hätten überall sein können. Eines stand außerdem fest, Psychobilly haben die auch nicht erwartet. Tiger Army können gerne wiederkommen, aber nur wenn sie den Bass slappen lassen. Ich hoffe dann auf Happier Times und wünsche mir eine bessere Akustik und eine vernünftigere Liedauswahl samt Spielweise. Ja, vielleicht, wenn ich gar nichts anderes vorhabe, komme ich dann einmal rum.

Text: Isabel Oerke (i.s.o.)
Fotos: Hilmar Reuter (hr)/ Isabel Oerke (i.s.o.)